Die Geschichte
von Solution Focus

Inhalt

In den 80er Jahren wurde das lösungsfokussierte Arbeiten von Insoo Kim Berg und Steve de Shazer in Milwaukee, USA durch das Beobachten von und Lernen aus Therapiesitzungen und Therapieerfolgen entwickelt. Im Mittelpunkt stand die Beobachtung der Konversation zwischen Therapeut und Klient. Theoretische Modelle spielten dabei keine Rolle. Der Ansatz entstand gewissermaßen theoriefrei.

Insoo Kim BergSteve de Shazer
Insoo Kim Berg
gestorben 2007
Steve de Shazer
gestorben 2005

 



Spätere theoretische Fundamente

Erst bei der Weiterentwicklung ihrer Methode stießen Steve de Shazer und Insoo Kim Berg auf Verbindungen und Erklärungsmöglichkeiten durch die Philosophie Ludwig Wittgensteins.

„Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache.“
Ludwig Wittgenstein

Ludwig WittgensteinLaut Ludwig Wittgenstein (Bild) ist „der Glaube an den Kausalzusammenhang der Aberglaube“. Ein theoretisches Fundament für ganz wesentliche Grundprinzipien, wie z.B. den Fokus auf die Interaktion statt auf innere Konstrukte zu richten, kann auch der soziale Konstruktionismus bieten.

Der Soziale Konstruktionismus (K.J. Gergen) stellt die soziale Eingebundenheit von Wissen und Erfahrung in den Mittelpunkt und steht damit in einem direkten Gegensatz zur Auffassung des Radikalen Konstruktivismus nach Watzlawick u.a.

Realität ist sozial konstruiert und nicht das Denken, sondern das Kommunizieren wird in den Mittelpunkt gestellt. Dieser Gegensatz zwischen Radikalem Konstruktivismus und Sozialem Konstruktionismus kommt auch in der Gegenüberstellung von ‚Ich denke, also bin ich’ und ‚Ich kommuniziere, also denke ich’ zum Ausdruck.

Das „Ende“ der Kausalitätsannahme zwischen Problem und Lösung kann auch durch die Erkenntnisse der complexity theory (Chaostheorie) argumentiert werden. Die complexity theory zeigt auf, dass gerade in komplexen Zusammenhängen, viele Phänomene durch lineare Ursache-Wirkungsketten nicht erklärt werden können.

Die Suche nach den Ursachen

Die Suche nach den Ursachen, den Kausalzusammenhängen kennen wir aus vielen verschiedenen Ansätzen, u.a. aus therapeutischen oder naturwissenschaftlichen Ansätzen.

Nehmen wir zum Beispiel das medizinische Modell.
Wie geht man hier an eine Lösung heran?

Zunächst muss dem Problem auf den Grund gegangen werden. Ein Problem muss diagnostiziert oder klassifiziert werden, damit man es lösen kann. Oftmals wird sehr viel Zeit damit verbracht, das Problem zu beschreiben. Doch vergessen wird dabei, dass Diagnosen Konstruktionen sind.

Doch wenn wir davon ausgehen, dass sich unsere Welt (be-)ständig verändert, dann ist die Idee einer Kausalkette oder – darauf basierend – einer Diagnose eine Konstruktion, die keinen tatsächlichen Halt haben kann.

Vergessen wird auch: je mehr man über das Problem spricht, desto schlimmer erscheint es.

Im Gegensatz dazu lenkt das lösungsfokussierte Modell die Konzentration auf erwünschte Lösungen, nicht auf Probleme und deren Ursachen.

Interessanterweise sind Lösungsfindungsprozesse einander sehr ähnlich, auch wenn die Problemklassifikation unterschiedlich ist. So werden in der lösungsfokussierten Beratung die unterschiedlichsten Themen mit den gleichen Werkzeugen und Prinzipien, dem gleichen Vorgehen behandelt.

Grundsätze von Solution Focus

Erkunden Sie Lösungen. Erkunden Sie, was besser ist oder besser sein sollte und versuchen Sie nicht ein komplexes Problem zu „verstehen“.

  • Die Lösung ist nicht zwingend mit dem Problem verbunden.
  • Die Sprache der Lösungsentwicklung unterscheidet sich
    von der Sprache der Problembeschreibung.
  • Kleine Schritte können zu großen Veränderungen führen.
  • Kein Problem passiert dauernd, es gibt immer Ausnahmen,
    die genutzt werden können.

Menschen werden zu dem was sie sind durch Ihre Erfahrungen, ihre Interaktion und Kommunikation mit anderen Menschen. Gewünschte Veränderungen werden am leichtesten realisierbar, wenn sie konkret in der alltäglichen Interaktion beschrieben werden. Aussagen über Werte, Glaubenssätzen oder Gefühlen werden weiter durch Fragen nach beobachtbarem Verhalten konkretisiert.

Jeder Fall ist anders (every case is different). Jede Person, jeder Fall wird gehört und in seiner Unterschiedlichkeit ernst genommen und nicht in eine Theorie einsortiert.

Theorien und Modelle werden nur auf ausdrücklichen Wunsch der Kunden genutzt, keinesfalls werden sie prinzipiell über einen Einzelfall „gestülpt“. Nachdem „Lösungen“ konkrete, umsetzbare Schritte sein sollen, ist eine möglichst einfache und konkrete Sprache zielführender statt einer Vielzahl abstrakter Begriffe.